36. Coesfelder Orchestertage endeten mit einem grandiosen Konzert am Pfingstmontag im Konzerttheater

Wie magische Bänder eines Polarlichts.

Abschluss der 36. Orchestertage mündet in einem Freudentaumel.

Fotos: B. Mertens

AZ vom 7. Juni 2017

Von Ulrich Wesseler

Immer noch, so scheint es, besitzen sie eine gewisse Anziehungskraft, die Orchestertage, die schon zum 36. Mal stattfanden. Für fortgeschrittene Musikausübende stellt sich hier eine überaus dankbare Aufgabe, in einem überschaubaren Rahmen anspruchsvolle Werke der Orchesterliteratur zu erarbeiten und der Öffentlichkeit vorzustellen.

Damit das Ganze nicht zum Abenteuer wird, dafür sorgen seit vielen Jahren neben etlichen Tutoren das Organisationstalent Christa Enseling-Korkusuz sowie Dirigent Alexander Scherf.

Spezialisierte und großbesetzte Werke sind bestens geeignet, vielen Instrumentalisten das Mitspielen zu ermöglichen, in diesem Jahr führte das beim Abschlusskonzert zu der klassischen Programmgestaltung Einleitung, Solistenkonzert, Sinfonie. Doch die einzelnen Werke, die am Pfingstmontag im Konzert Theater erklangen, waren keineswegs "klassisch", sondern aus dem frühen 20. Jahrhundert.

"Summa" von Arvo Pärt sollte den Hörer durch "mantrahafte Eindringlichkeit in einen hypnotischen Bann ziehen". Immerhin muss den Streichern saubere Akzentuierung in einer einfachen Notenfaktur bescheinigt werden. Dafür erschien das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 op. 10 von Sergej Prokofjew in großer Besetzung. Da gelang es dem Solisten Vincent Herrmann die gebotene Leichtigkeit mit hohem technischem Anspruch zu verbinden, auch und besonders in der Zugabe; einer Toccata von Claude Debussy.

Vielleicht war er ja ein guter Ingenieur im Patentamt, der Schwede Kurt Atterberg. Seine 2. Sinfonie in F-Dur - viele große Meister haben Sinfonien in F-Dur geschrieben - ist geprägt, auch, durch zarte lyrische Passagen, vor allem aber durch gewaltige Klangballungen. Besonders das Becken und die Blechbläser haben es dem Komponisten angetan, was über lange Strecken zu einem lärmenden Pathos führte. Aber auch eine solistische Hornistin wusste ihren Part gekonnt darzustellen, und - eine Seltenheit in einer Sinfonie: auch das Klavier war beteiligt.

Das mündete zusammen mit Streichern und Holzbläsern in einem orchestralen Freudentaumel, den der besonnene Dirigent allerdings gut zu beherrschen wusste. Und darauf kam es auch in diesem Jahr wieder an: mit Begeisterung in einem großen Klangkörper mitzuwirken, gleichsam wie "pulsierende und magisch leuchtende Bänder eines Polarlichtes".

Hier finden Sie eine Fotogalerie von den Proben! 

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